Verein und Museum im Zitat #1

„Unbeirrt von dem phrenetischen Jeremiaden-Chorus, der sich mit seinem kläglichen Refrain, in Wien sei aus dem erdenklich besten und nützlichsten Unternehmen einfach „nichts zu machen“, in unserer Stadt nun schon seit manchen Jahren epidemisch verbreitet, hat die Leitung des österreichischen Volkskundevereines den Beweis erbracht, daß für ein wahrhaft lebensfähiges und lebenswürdiges Unternehmen „selbst“ unser Wien den rechten Boden abgeben kann: für den Fernstehenden – in Folge der Stille, mit der die Vorarbeiten ausgeführt wurden – wie aus dem Erdboden hervorgewachsen, dem mit den rastlosen Zurüstungen nur halbwegs Vertrauten als in seiner Vollkommenheit selbstverständliche Frucht energischesten Zielbewußtseins, stellt sich das neue Museum gleich von Anbeginn an in die Reihe des werthvollsten wissenschaftlichen Besitzstandes, den Wien aufzuweisen hat.“

Fritz Minkus: Feuilleton. Museum für österreichische Volkskunde. In: Wiener Zeitung. Wien 13.11.1896, S. 3-5, hier S. 4-5

Fritz (Friedrich) Minkus (1871-1939), Kunsthistoriker (Promotion 1899) und von März 1895 bis 1897 Volontär an der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Tätigkeiten am Österreichischen Museum für Kunst und Industrie in Wien und am Museum Francisco-Carolinum in Linz, Direktor des k. k. Wiener Zentral-Spitzenkurses, Direktor der k. k. Anstalt für Frauenhausindustrie. In den Anfangsjahren des Vereins für österreichische Volkskunde mit einigen Objektschenkungen und kleinen Zeitschriftenbeiträgen aktiv, seine Mutter Lida Minkus 1896, sein Vater Eugen Minkus, Direktor der Unionbank, von 1896 bis 1901 Vereinsmitglied.