Ein paar Stücke barockes Parkett

23. Jänner 2020 | In einer von mir mit „Teile vom Fußboden (barock) aus Niederländergalerie“ beschrifteten großen Pressel-Box liegen ein paar zurechtgesägte Stücke von Nut- und Federbrettern mit heller und dunkler Färbung. Ich habe sie bei der Dachbodenräumung 2009 gefunden und im Archiv deponiert. Beim Inhalt handelt es sich offenbar um Teile eines Parkettbodens. Mir war allerdings bis zum Verfassen dieses Beitrags nicht wirklich klar, aus welchem Raum sie tatsächlich stammen und warum sie aufgehoben wurden. Inzwischen weiß ich, dass die Angabe auf der Schachtel nicht richtig war.

Tafelparkett in der Holländischen Galerie. Foto: Matthias Klos

In unserem Museum gibt es noch in sehr vielen Räumen Parkette. Das am besten erhaltene, weil jüngste, befindet sich in der sogenannten Holländischen Galerie, der ehemaligen Gemäldegalerie des Gartenpalais Schönborn. In diesem Raum waren die barocke Decke und die wandfesten Ausstattungen erhalten geblieben und wurden in den 1980er Jahren umfassend restauriert. 1986 entschied die Direktion, dass die neu installierte Zentralheizung auch in der Galerie verlegt wird. In den drei Fensternischen wurden Radiatoren montiert, und um das barocke Ambiente nicht zu sehr zu stören, die Rohre unter den Fußboden verlegt. Bei der Abtragung des Parkettbodens kamen überraschenderweise zwei Lagen von Blindböden zum Vorschein. Zuerst bemalte Weichholzbretter, die vermutlich aus dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts stammten und aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustands nicht konserviert werden konnten.

Rekonstruktion der Ornamentik des barocken Blindbodens, die Illusion einer Einlegearbeit wurde durch Ölfarbenanstriche erzielt. Zeichnung: Martin Kupf

Darunter war ein barocker Boden verlegt, der sich bereits beim Umbau des Hauses zum Palais Schönborn hier befunden haben musste. Der Restaurator Martin Kupf ordnete den Entstehungszeitraum zwischen die zweite Türkenbelagerung 1683 und den Umbau durch den Architekten Johann Lucas von Hildebrandt am Anfang des 18. Jahrhunderts ein. Eine zeichnerische Rekonstruktion der Scheinintarsienornamente ergab, dass der Boden beim Umbau an der südlichen Schmalseite (heute Durchgang zum Sekretariat, im Bild oben auf der rechten Seite) um eine Feldbreite gekürzt worden war. Da die Erhaltung dieses Fußbodens im öffentlichen Interesse lag, im Haus selbst aber aufgrund der Abmessungen keine Wiederverwendung möglich war, wurde das Parkett an das Hofmobiliendepot abgegeben.

Vorlage für die Rekonstruktion des Parketts. Aus Salomon Kleiner, Gräflich Schönbornsche Schlösser, Häuser, Gärten und Kirchen in Wien – Josefstadt. Würzburg 1731. Wienbibliothek im Rathaus

In der Galerie wurde nun ein neues Tafelparkett verlegt. Als Vorlage diente ein Stich von Salomon Kleiner, der „Das Bilder Zimmer von Holländischen Meistern“ samt Fußboden zeigt und 1731 publiziert wurde. Die Wahl der Holzart fiel, historische Vorbilder berücksichtigend, auf Nuss und Ahorn. Größe und Art der Teilung der Tafeln wurden nach den Proportionen des Stiches berechnet.

Rest einer barocken Parketttafel aus dem sgn. Keramiksaal. Foto: Martin Kupf

Einige Jahre später, im März 1992, wurden im damaligen Keramiksaal zwei vermauerte seitliche Balkontüren geöffnet. Unterhalb des heutigen Fußbodenniveaus kamen auf beiden Seiten die Reste barocker Parketttafeln zum Vorschein. Diese waren ausschließlich aus Nussholzbrettern angefertigt, ohne bei der Zusammensetzung auf die unterschiedliche Farbintensität der Teile Rücksicht zu nehmen. Und genau diese Teile befinden sich in der Pressel-Box, die bereits auf „Teile vom Fußboden (barock) aus Keramiksaal“ umbenannt wurde. Martin Kupf bedauerte seinerzeit, diese Bretter nicht früher gefunden zu haben. Er hätte sie bei der Rekonstruktion als Vorbild genommen.

Quellen:

Martin Kupf: Die sogenannte Holländische Galerie des Gartenpalais Schönborn. Rückblick auf die zwischen 1917 und 1999 stattgefundenen Restaurierungen. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LIV/103. Wien 2000, S. 494-515, hier S. 499-505

Fabio Gianesi, Sabine Paukner, Claudia Peschel-Wacha: Gartenpalais Schönborn. Volkskundemuseum Wien. Wien 2018

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s